
Mit dem European Song Contest ist es ein bisschen wie mit der EU. Die Länder treiben Handel miteinander und bezahlen mit Euro oder sie singen und geben sich Punkte. Wenn in der Wirtschaft ein Land in ein anderes mehr exportiert als es von dort importiert, erwirtschaftet es einen Handelsbilanzüberschuss. Das andere Land ein Handelsbilanzdefizit. Die Summe aller Überschüsse und Defizite ist null. Genauso wie die Summe aller gegebenen und bekommenen Punkte beim Grand Prix. (Die im Halbfinale ausgeschiedenen Ländern haben alle null Punkte). Lena Meyer-Landrut hat beim European Song Contest gewonnen, weil sie den größten Punkteüberschuss geschafft hat.
Analog profitiert Deutschland von der EU. Ein immenser Vorteil ist dabei die gemeinsame Währung. Stellt euch mal vor wie kompliziert das wäre, wenn griechische oder französische Punkte erst in deutsche Punkte umgerechnet werden müssten.
Die Einheitswährung „Punkt“ vereinfacht den Wettbewerb erheblich. Und auch, dass es keine Formalitäten bei der Verkündigung gibt. Solche „Handelsbeschränkungen“ wären ein echtes Hemmnis. Diese Argumente gelten auch für die Währungsunion. In ihr hat Deutschland die besten Chancen auf den Sieg. Wir müssen einfach nur sehr gut sein. Jammern oder schlecht singen hilft nichts. Genauso wie beim Song Contest schon die Spielregeln angepasst werden mussten, müssen diese auch in der Europäischen Union feinjustiert werden. Und noch wichtiger: Sie müssen eingehalten werden. Das gilt in erster Linie für die nationalen Neuverschuldungen. Wenn die notwendigen Anpassungen gelingen, kann aus einer holprigen Veranstaltung schnell wieder ein Mega-Event werden, der die Massen begeistert. Der gestrige Abend hat es bewiesen.
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